IT-Strategien gegen Bürokratie im Krankenhaus

Veröffentlicht 04.04.2025 10:40, Kim Wehrs

Der Anstieg detaillierter Einzelbestimmungen und ein zunehmender Komplexitätsgrad erzeugt ein hohes Maß an Überbürokratie im Gesundheitswesen und insbesondere auch in der stationären Versorgung. Ein Gegensteuern ist überfällig, um das System funktionsfähig zu halten und Personalressourcen und Finanzmittel auch im Sinn einer optimalen Patientenversorgung bestmöglich einzusetzen. Die IT-Strategie zur Bekämpfung dieser Bürokratie muss darauf abzielen, administrative Prozesse zu vereinfachen, Transparenz zu schaffen und die Kommunikation zu optimieren.
 

Interoperable Systeme und Ausbau von Schnittstellen 

Dringend nötig sind Ansätze zur Standardisierung von Schnittstellen (APIs) und Datenformaten, um die Interoperabilität zwischen verschiedenen Systemen zu fördern. Open-Source-Protokolle, wie REST und GraphQL, sowie die Verwendung von standardisierten Datenmodellen (z.B. JSON, XML) ermöglichen nahtlose Kommunikation. Zudem sollten semantische Interoperabilität durch Ontologien und Metadaten-Standards (z.B. RDF, OWL) gefördert werden, um Daten besser nutzbar zu machen. Der Einsatz von Middleware-Lösungen und Integrationsplattformen, die heterogene Systeme verbinden, ist ebenfalls zentral. Wichtig sind zudem sichere, skalierbare Cloud-Infrastrukturen und einheitliche Datenschutzregelungen, um eine vertrauensvolle und effiziente Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Ansätze zur Entbürokratisierung sind dringend erforderlich und könnten durch Standardisierung von Prozessen, eine bessere Schulung des Personals und die Bereitstellung zentraler, interoperabler Systeme erreicht werden. Auch der Ausbau von Schnittstellen, die eine reibungslose Datenübertragung zwischen unterschiedlichen Systemen ermöglichen, ist ein Schlüssel zur Reduktion von bürokratischem Aufwand. Die Einführung von einheitlichen IT-Plattformen und cloudbasierten Lösungen könnte ebenfalls helfen, den Verwaltungsaufwand zu minimieren.

Ein Beispiel für eine bereits funktionierende Entbürokratisierung ist die Nutzung der Telematik-Infrastruktur, die die Kommunikation zwischen verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen erleichtert. Auch das E-Rezept zeigt Potenzial zur Reduzierung des Verwaltungsaufwands, indem es papierbasierte Rezepte ablöst und den Prozess der Rezeptausstellung und -einlösung vereinfacht. Absehbar könnte die verstärkte Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zur automatisierten Datenanalyse und Dokumentation weitere Entlastungen bringen, wenn regulatorische Hürden und Akzeptanzprobleme überwunden werden. 

Mit einem professionellen IT- und Datenmanagement lassen sich Informationen optimal nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Dazu zählen Prozesse und Technologien, um Daten zu erfassen, zu speichern, zu organisieren und zugänglich zu machen. Durch die Einführung digitaler Akten und Workflow-Management-Systeme können viele Prozesse automatisiert werden, wodurch manuelle Tätigkeiten reduziert und Fehlerquellen minimiert werden. Dies führt zu einer spürbaren Zeitersparnis für das medizinische Personal und einer besseren Patientenversorgung. 

Zudem sollten IT-Systeme zur zentralen Verwaltung von Patientendaten eingesetzt werden. Elektronische Gesundheitsakten ermöglichen einen schnellen und sicheren Zugriff auf alle relevanten Informationen, was den Aufwand für das Suchen und Aktualisieren von Dokumenten deutlich reduziert. Schnittstellen zwischen verschiedenen Abteilungen und externen Partnern (wie Apotheken oder anderen Krankenhäusern) müssen reibungslos funktionieren, um den Informationsfluss zu verbessern und redundante Dateneingaben zu vermeiden.

Professionelles IT- und Datenmanagement

Eine Online-Befragung von 1.100 Arbeitnehmenden in Deutschland hat ergeben, dass IT-Störungen in vielen Unternehmen zum Alltag gehören. 57 Prozent der Befragten geben sogar an, dass die IT-Störungen in ihrem Unternehmen eher noch weiter zunehmen.

Hinzu kommt: 35 Prozent der Problemlösungen sind nur behelfsmäßig. So besteht langfristig die Gefahr, dass sich Fehler in die Daten einschleichen.

Neue Technologien bieten hier einen Ausweg – allerdings fühlen sich 56 Prozent der Arbeitnehmenden durch die technische Entwicklung gestresst. Das liegt unter anderem daran, dass fast zwei Drittel der Unternehmen neue Technologien ohne Schulung einführen. 

Ein wichtiger Aspekt ist die Schulung des Personals. IT-Systeme können nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn das Krankenhauspersonal in der Nutzung geschult wird. Die IT-Strategie sollte deshalb regelmäßige Schulungen und ein nutzerfreundliches Systemdesign berücksichtigen, um die Akzeptanz und Nutzung zu maximieren.

Darüber hinaus können Künstliche Intelligenz und Machine Learning helfen, repetitive administrative Aufgaben zu übernehmen und die Arbeitsbelastung des medizinischen Personals zu verringern. Diese Technologien könnten dazu beitragen, Diagnosen schneller zu verarbeiten oder Patientenanfragen effizienter zu managen. Langfristig wird eine gut implementierte IT-Strategie nicht nur die Bürokratie im Krankenhaus verringern, sondern auch die Patientenversorgung auf ein neues Niveau heben. 

Überbürokratisierung muss dringend abgebaut werden. In dieser Zielsetzung sind sich Selbstverwaltung, Länder, Bund und Bundesgesundheitsministerium im Prinzip einig. Durch verbesserte Vorgaben können erhebliche personelle Kapazitäten freigesetzt werden, die für eine empathische, zugewandte Patientenversorgung dringend benötigt werden: Schon eine Stunde weniger Bürokratie pro Vollkraft und Tag setzt rein rechnerisch 120 Tsd. Vollkräfte in den Krankenhäusern frei (1). Diese Entlastung ist wichtig, da die demografische Entwicklung einerseits zu einem steigenden Versorgungsbedarf und andererseits zu einer Verknappung des vorhandenen Personals führt. Überbürokratisierung zeigt sich dabei in verschiedenen Dimensionen, die in der Praxis durch diverse Wechselwirkungen vielfach miteinander verwoben sind: I. Komplexität und Detailtiefe der Rechtsnormen II. Struktur der Normgebung und -durchsetzung III. Administrative Aufwände in den Krankenhäusern.
 

(1)  Rechengrundlage: 965 Tsd. Vollkräfte (Statistisches Bundesamt, Ärztliches und nichtärztliches Personal in Krankenhäusern 2022) 

 

Autor: Wolf-Dietrich Lorenz                                         Bild: Adobestock / Alphaspirit


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