Page 18 - Netzwerk_aktiv
P. 18
Krankenhaus-KI
Gedächtnisprobleme. PCS kann die Lebensqualität und den veillance- und Frühwarnsystems für SARS-CoV-2-Infektionen
Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Die Ursachen der SentiSurv RLP, der COVID-19-Impfdokumentation und des
Erkrankung sind bisher noch unzureichend entschlüsselt. Die SARS-CoV-2 Abwassermonitorings in Rheinland-Pfalz.
Therapie erfolgt daher bisher rein symptomatisch. Zwei gemeinsame Datathons verknüpfen nicht nur die
Ziel der Mainzer Forschenden ist es, Untergruppen von komplementären Datenquellen miteinander, sondern intensi-
Post-COVID-Patient:innen die unterschiedliche molekulare vieren zudem die Interaktion zwischen den Forschenden. Um
Pathomechanismen aufweisen – sogenannte Endotypen –, zu eine patientenorientierte und -zentrierte Forschung sicherzu-
identifizieren. Zu diesem Zweck werden die Daten von fast stellen, bildet der kontinuierliche Wissens- und Erfahrungs-
50.000 Menschen durch den Einsatz von modernsten Techni- austausch mit Post-COVID-Betroffenen eine weitere wichtige
ken der Künstlichen Intelligenz ausgewertet. Säule von EPIC-AI. „Viele Erkrankte sind seit Jahren unter-
„Mit der Klassifizierung und Endotypisierung des Krank- versorgt und kämpfen mit einer massiven Belastung, daher ist
heitsbilds sollen die komplexen und heterogenen Krankheits- es besonders wichtig, dass ihre Stimmen gehört werden. Das
mechanismen besser verstanden werden. Dies schafft dringend Projekt EPIC-AI ist eine bedeutende Initiative, um das Ver-
notwendige Grundlagen für die Entwicklung von optimierten ständnis von Post-COVID mithilfe relevanter und patienten-
und personalisierten Therapieoptionen, um die medizinische naher Forschung zu verbessern. Daher ich freue mich, Teil die-
Versorgung zu verbessern. Hier wollen wir mit EPIC-AI anset- ses Prozesses zu sein“, sagt Johanna Theobald, Gründerin der
zen“, erklärt der koordinierende Leiter des Forschungsverbunds Selbsthilfegruppe Long Covid Mainz.
Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild, Professor für Klinische Epidemio- Das Forschungsprojekt EPIC-AI wird vom Bundesmi-
logie und Systemmedizin an der Universitätsmedizin Mainz. nisterium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen
Um der Heterogenität des Post-COVID-Syndroms des Programms zur „Förderung von interdisziplinären Pro-
gerecht zu werden, arbeiten im Forschungsverbund EPIC- jekten zur Entwicklung und Erprobung von neuen Ansätzen
AI Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Fachdisziplinen der Datenanalyse und des Datenteilens in der Long-/Post-
zusammen, die unterschiedliche Datenquellen in insgesamt COVID-19-Forschung“ über einen Zeitraum von zwei Jahren
fünf Subprojekten analysieren: Neben der Präventiven Kardio- mit insgesamt rund 500.000 Euro unterstützt.
logie und Medizinischen Prävention am Zentrum für Kardio-
logie sind die Klinische Epidemiologie und Systemmedizin am Über die Universitätsmedizin der Johannes
Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH), die Klinik Gutenberg-Universität Mainz
und Poliklinik für Neurologie, die Klinik für Psychiatrie und Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität
Psychotherapie, die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Suprama-
Medizin und Psychotherapie und das Institut für Immunologie ximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international
der Universitätsmedizin Mainz sowie das Institut für digitale anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60
Gesundheitsdaten RLP (IDG RLP) als Projektpartner beteiligt. Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend
Die Wissenschaftler:innen untersuchen unter anderem zusammenarbeiten und jährlich rund 340.000 Menschen sta-
Funktionsstörungen der Organsysteme sowie neurologische, tionär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patien-
neuropsychiatrische, biopsychosoziale und mentale Verände- tenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universi-
rungen. Sie identifizieren Unterschiede in Zellzusammenset- tätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Mehr als 3.600
zungen des Blutes und analysieren genetische Daten. „Mit Hilfe Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 630
von Hochdurchsatzverfahren werden wir das Transkriptom Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen,
und Proteom von Immunzellen untersuchen, um molekulare kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausge-
Mechanismen aufzudecken, die am PCS-Geschehen beteiligt bildet. Mit rund 8.700 Mitarbeitenden ist die Universitätsme-
sind. Diese Erkenntnisse können zum einen zur Identifikation dizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region
von Biomarkern genutzt werden, die eine spezifische Diagnos- und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere
tik ermöglichen, und zum anderen Hinweise für neue Thera- Informationen im Internet unter https://www.unimedizin-
pieansätze liefern“, erklärt Univ.-Prof. Tobias Bopp, Direktor mainz.de.
des Instituts für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz.
Als Datenbasis dienen die bevölkerungsbasierten Kohortenstu-
dien Gutenberg COVID-19 Studie, Gutenberg Post-COVID Quelle: Universitätsmedizin der Johannes
Studie und Gutenberg-Gesundheitsstudie sowie Daten des Sur- Gutenberg-Universität Mainz
Krankenhaus-KI Journal 1 /2025
84