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Krankenhaus-KI











           Gedächtnisprobleme. PCS kann die Lebensqualität und den   veillance- und Frühwarnsystems für SARS-CoV-2-Infektionen
           Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Die Ursachen der   SentiSurv RLP, der COVID-19-Impfdokumentation und des
           Erkrankung sind bisher noch unzureichend entschlüsselt. Die   SARS-CoV-2 Abwassermonitorings in Rheinland-Pfalz.
           Therapie erfolgt daher bisher rein symptomatisch.   Zwei gemeinsame Datathons verknüpfen nicht nur die
              Ziel der Mainzer Forschenden ist es, Untergruppen von   komplementären Datenquellen miteinander, sondern intensi-
           Post-COVID-Patient:innen die unterschiedliche molekulare   vieren zudem die Interaktion zwischen den Forschenden. Um
           Pathomechanismen aufweisen – sogenannte Endotypen –, zu   eine patientenorientierte und -zentrierte Forschung sicherzu-
           identifizieren. Zu diesem Zweck werden die Daten von fast   stellen, bildet der kontinuierliche Wissens- und Erfahrungs-
           50.000 Menschen durch den Einsatz von modernsten Techni-  austausch mit Post-COVID-Betroffenen eine weitere wichtige
           ken der Künstlichen Intelligenz ausgewertet.      Säule von EPIC-AI. „Viele Erkrankte sind seit Jahren unter-
              „Mit  der  Klassifizierung  und  Endotypisierung  des  Krank-  versorgt und kämpfen mit einer massiven Belastung, daher ist
           heitsbilds sollen die komplexen und heterogenen Krankheits-  es besonders wichtig, dass ihre Stimmen gehört werden. Das
           mechanismen besser verstanden werden. Dies schafft dringend   Projekt EPIC-AI ist eine bedeutende Initiative, um das Ver-
           notwendige Grundlagen für die Entwicklung von optimierten   ständnis von Post-COVID mithilfe relevanter und patienten-
           und personalisierten Therapieoptionen, um die medizinische   naher Forschung zu verbessern. Daher ich freue mich, Teil die-
           Versorgung zu verbessern. Hier wollen wir mit EPIC-AI anset-  ses Prozesses zu sein“, sagt Johanna Theobald, Gründerin der
           zen“, erklärt der koordinierende Leiter des Forschungsverbunds   Selbsthilfegruppe Long Covid Mainz.
           Univ.-Prof. Dr. Philipp Wild, Professor für Klinische Epidemio-  Das Forschungsprojekt EPIC-AI wird vom Bundesmi-
           logie und Systemmedizin an der Universitätsmedizin Mainz.  nisterium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen
              Um der Heterogenität des Post-COVID-Syndroms   des Programms zur „Förderung von interdisziplinären Pro-
           gerecht zu werden, arbeiten im Forschungsverbund EPIC-  jekten zur Entwicklung und Erprobung von neuen Ansätzen
           AI Wissenschaftler:innen aus verschiedenen Fachdisziplinen   der Datenanalyse und des Datenteilens in der Long-/Post-
           zusammen, die unterschiedliche Datenquellen in insgesamt   COVID-19-Forschung“ über einen Zeitraum von zwei Jahren
           fünf Subprojekten analysieren: Neben der Präventiven Kardio-  mit insgesamt rund 500.000 Euro unterstützt.
           logie und Medizinischen Prävention am Zentrum für Kardio-
           logie sind die Klinische Epidemiologie und Systemmedizin am   Über die Universitätsmedizin der Johannes
           Centrum für Thrombose und Hämostase (CTH), die Klinik   Gutenberg-Universität Mainz
           und Poliklinik für Neurologie, die Klinik für Psychiatrie und   Die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität
           Psychotherapie, die Klinik und Poliklinik für Psychosomatische   Mainz ist die einzige medizinische Einrichtung der Suprama-
           Medizin und Psychotherapie und das Institut für Immunologie   ximalversorgung in Rheinland-Pfalz und ein international
           der Universitätsmedizin Mainz sowie das Institut für digitale   anerkannter Wissenschaftsstandort. Sie umfasst mehr als 60
           Gesundheitsdaten RLP (IDG RLP) als Projektpartner beteiligt.  Kliniken, Institute und Abteilungen, die fächerübergreifend
              Die Wissenschaftler:innen untersuchen unter anderem   zusammenarbeiten und jährlich rund 340.000 Menschen sta-
           Funktionsstörungen der Organsysteme sowie neurologische,   tionär und ambulant versorgen. Hochspezialisierte Patien-
           neuropsychiatrische, biopsychosoziale  und mentale Verände-  tenversorgung, Forschung und Lehre bilden in der Universi-
           rungen. Sie identifizieren  Unterschiede  in  Zellzusammenset-  tätsmedizin Mainz eine untrennbare Einheit. Mehr als 3.600
           zungen des Blutes und analysieren genetische Daten. „Mit Hilfe   Studierende der Medizin und Zahnmedizin sowie rund 630
           von Hochdurchsatzverfahren werden wir das Transkriptom   Fachkräfte in den verschiedensten Gesundheitsfachberufen,
           und Proteom von Immunzellen untersuchen, um molekulare   kaufmännischen und technischen Berufen werden hier ausge-
           Mechanismen aufzudecken, die am PCS-Geschehen beteiligt   bildet. Mit rund 8.700 Mitarbeitenden ist die Universitätsme-
           sind. Diese Erkenntnisse können zum einen zur Identifikation   dizin Mainz zudem einer der größten Arbeitgeber der Region
           von Biomarkern genutzt werden, die eine spezifische Diagnos-  und ein wichtiger Wachstums- und Innovationsmotor. Weitere
           tik ermöglichen, und zum anderen Hinweise für neue Thera-  Informationen im Internet unter https://www.unimedizin-
           pieansätze liefern“, erklärt Univ.-Prof. Tobias Bopp, Direktor   mainz.de.
           des Instituts für Immunologie der Universitätsmedizin Mainz.
           Als Datenbasis dienen die bevölkerungsbasierten Kohortenstu-
           dien Gutenberg COVID-19 Studie, Gutenberg Post-COVID   Quelle: Universitätsmedizin der Johannes
           Studie und Gutenberg-Gesundheitsstudie sowie Daten des Sur-  Gutenberg-Universität Mainz


                                                                                   Krankenhaus-KI Journal 1 /2025
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