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die administrativen Aufgaben, etwa im Qualitätsmanagement dienste und senken Kosten. „Langfristig bietet der ARAS-
und der einheitlichen Qualitätssicherung, auch wenn die drei Algorithmus großes Potenzial für die Übertragung auf andere
Netzwerke autark die Patientenversorgung mit ihren regiona- Regionen und Krankheitsbilder wie Herzinfarkt oder schwere
len Partnerkliniken sicherstellen“, so Claudia Wojciechowski, Verletzungen“, so PD Dr. Barlinn.
Projektleiterin von „Stroke-Link Sachsen“. Über dieses Projekt
wurden im Jahr 2024 insgesamt 2.496 Patientinnen und Patien- Forschungspreis für Evaluation der struktu-
ten mit Verdacht auf Schlaganfall telemedizinisch mitbeurteilt. rierten Schlaganfallnachsorge
Auf Basis der dokumentierten Telekonsile wird der erste sach-
senweite Qualitätsbericht für das Erfassungsjahr 2024 in der Dass der Schlaganfall nicht nur eine Akuterkrankung ist, son-
telemedizinischen Schlaganfallversorgung durch die Geschäfts- dern die gesamte Versorgungskette für das klinische Ergeb-
stelle erstellt. nis der Patientinnen und Patienten eine zentrale Rolle spielt,
unterstreicht die Etablierung eines strukturierten Nachsor-
Forschungsprojekt nutzt Künstliche Intelli- geprogramms am Uniklinikum Dresden. Im Dezember 2024
genz für schnellere Einweisung wurde eine Evaluation des Case Management Programms
Bei der akuten Schlaganfallversorgung ist ein rechtzeitiger „SOS-Care – Hilfe nach Schlaganfall“ mit dem renommier-
Zugang zu lebensrettenden Behandlungen entscheidend. Das ten Fürst von Donnersmarck-Forschungspreis ausgezeichnet.
ist vor allem in der flächendeckenden Versorgung im ländlichen SOS-Care ist ein strukturiertes Case Management Programm,
Raum eine Herausforderung – hier soll der Einsatz Künstli- in dem seit 2011 Betroffene nach einem Schlaganfall für ein
cher Intelligenz (KI) die Ersthilfe nach einem Schlaganfall Jahr begleitet werden. Ziel ist es, weitere Schlaganfälle sowie
weiter verbessern. In einem Forschungsprojekt am Else Kröner eine Pflegebedürftigkeit langfristig zu vermeiden. Die Eduka-
Fresenius Zentrum für Digitale Gesundheit (EKFZ) will das tion zu den Risikofaktoren, die regelmäßige Medikamenten-
Projektteam einen Algorithmus entwickeln, der die Rettungs- einnahme in der Sekundärprophylaxe und die umfängliche
dienste bei der Zuweisung akuter Schlaganfallpatientinnen und Aufklärung zum Krankheitsbild sind die Säulen der struktu-
-patienten an Krankenhäuser unterstützt. „Die Erstversorger rierten Nachsorge. In der Veröffentlichung „Case manage-
im Rettungswagen müssen regelhaft über die korrekte Zuwei- ment-based post-stroke care for patients with acute stroke and
sung von Patienten und Patientinnen entscheiden; mitunter ist TIA (SOS-Care): a prospective cohort-study“ (Barlinn K et al.,
ein Krankenhaus näher, doch das andere bietet spezialisierte J Neurol 2024) hat das Team die Daten aus dem Nachsorge-
Schlaganfalltherapien an. In solchen Situationen könnte unser programm wissenschaftlich ausgewertet. Das in dieser Studie
Algorithmus in Sekundenschnelle eine Entscheidung treffen evaluierte Case Management Programm „SOS-Care – Hilfe
und die Betroffenen dorthin leiten, wo sie die bestmögliche nach Schlaganfall“ knüpft in der ambulanten Phase nach dem
Versorgung erhalten“, so PD Dr. med. Jessica Barlinn, Projekt- Klinikaufenthalt von Schlaganfallbetroffenen an der Stelle an,
leiterin und Neurologin an der Dresdner Hochschulmedizin. wo professionelle Unterstützung abrupt endet. Das Ergebnis
„Der Algorithmus berücksichtigt dabei verfügbare Ressourcen zeigt: Eine strukturierte Nachbetreuung stärkt die Eigenstän-
wie CT-Bildgebung oder endovaskuläre Therapien, aber auch digkeit der Betroffenen und verhindert erneute Schlaganfälle,
Qualitätskriterien und Transportzeit.“ Pflegebedürftigkeit und das Versterben der Patientinnen und
Das Projekt ARAS (Allocation Algorithm for Optimized Patienten aufgrund erneuter Ereignisse. Die Veröffentlichung
Regional Acute Stroke Care - Zuweisungsalgorithmus für opti- wurde auch innerhalb des Uniklinikums ausgezeichnet: Mit
mierte regionale Akutversorgung bei Schlaganfall) entwickelt der Studie gewann das SOS-Care-Team im vergangenen Jahr
diesen Algorithmus mittels simulationsbasierter Analysen. Er den UKD-Publikationspreis, der im Rahmen des Aktionsjah-
nutzt hierzu die aktuelle Verkehrsinfrastruktur, Bedarfsszena- res Patientensicherheit am Uniklinikum ausgeschrieben wurde.
rien, die auf realen Patientendaten basieren, Transportzeiten Barlinn K, Winzer S, Helbig U, Tesch F, Pallesen LP, Trost H,
und aktuelle Klinikressourcen. So können Schwachstellen Pfaff N, Klewin S, Schoene D, Bodechtel U, Schwarze J, Puetz
identifiziert und die Verteilung der Patientinnen und Patien- V, Siepmann T, Rosengarten B, Reichmann H, Schmitt J, Bar-
ten optimiert werden. Ein webbasierter Prototyp zeigt den linn J. Case management-based post-stroke care for patients
Rettungskräften künftig in Echtzeit an, welches Krankenhaus with acute stroke and TIA (SOS-Care): a prospective cohort
die notwendigen Kapazitäten und die optimale Behandlungs- study. J Neurol. 2024 Aug;271(8):5333-5342.
zeit bietet. Neben der besseren Patientenversorgung wird auch http://www.sos-net.de
die Wirtschaftlichkeit untersucht: Effizientere Transporte und https://digitalhealth.tu-dresden.de/projects/
die Vermeidung unnötiger Verlegungen entlasten die Rettungs-
Krankenhaus-KI Journal 1 /2025
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