Page 19 - Netzwerk_aktiv
P. 19
KI soll Akutversorgung bei
Schlaganfall verbessern
Rund 1.800 Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall wurden 2024 über
das telemedizinische Schlaganfallnetzwerk Ostsachsen versorgt. Mittels Telemedizin
wird flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung von Akutfällen sicherge-
stellt. | KI-gestützter Algorithmus soll Rettungsdienste künftig bei Zuweisung in Kranken-
häuser unterstützen. | Innovatives Nachsorgeprogramm rundet Schlaganfallversorgung
ab und wird mit Forschungspreis ausgezeichnet.
Schlaganfälle gehören zu den häufigsten Todesursachen und Patienten nach einem akuten Schlaganfall. Weitere acht neuro-
sind Hauptgrund für Behinderungen im Erwachsenenalter. logische Kooperationspartner bilden das zertifizierte Neuro-
Rund 270.000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich vaskuläre Netzwerk Südbrandenburg/Ostsachsen (SOS-NET).
einen Schlaganfall, in Sachsen sind es etwa 22.000 - trotz 2024 profitierten rund 1.800 Patientinnen und Patienten von
umfassender Prävention und Aufklärung. Die zahlreichen SOS-TeleNET, indem sie mithilfe telemedizinischer Beratung
Betroffenen benötigen im Akutfall eine schnelle, leitlinienge- durch Schlaganfallexpertinnen und -experten behandelt und
rechte Versorgung. Das Telemedizinische Schlaganfallnetz- bei Bedarf für eine spezialisierte Therapie in das Dresdner
werk (SOS-TeleNET) stellt die flächendeckende Versorgung Neurovaskuläre Zentrum verlegt wurden. Von insgesamt 434
akuter Schlaganfallpatientinnen und -patienten mittels Tele- Patienten, die für eine spezialisierte Behandlungsmethode ans
medizin auch in ländlichen Regionen sicher. Im Jahr 2024 pro- Uniklinikum verwiesen wurden, kamen 184 über die etablier-
fitierten 1.800 Patientinnen und Patienten von diesem Netz- ten Netzwerkstrukturen.
werk, indem sie mithilfe telemedizinischer Beratung durch Durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Neuro-
Schlaganfallexpertinnen und -experten behandelt und bei logie, Neurochirurgie und Neuroradiologie sichert das Netz-
Bedarf zur spezialisierten Therapie in das Dresdner Neurovas- werk gemeinsam mit den beiden westsächsischen Netzwerken
kuläre Zentrum verlegt wurden. In einem neuen Forschungs- (TESSA und TNS-NET) auch über die Akutversorgung hin-
projekt untersuchen Expertinnen und Experten aus Medizin aus einen hohen Standard in der regionalen Versorgung neuro-
und Wissenschaft derzeit, wie der Einsatz von Künstlicher vaskulärer Erkrankungen. Die über 15 Jahre entstandene ver-
Intelligenz (KI) die Erstversorgung nach einem Schlaganfall trauensvolle Zusammenarbeit von Kliniken unterschiedlicher
weiter verbessern kann. „Hier eröffnet KI die Möglichkeit, den Versorgungsstufen ist das Ergebnis der stetigen Netzwerkarbeit
Zugang zur besten medizinischen Versorgung auch für jene der Mitarbeitenden in den Zentren. Die gemeinsame Geschäfts-
Patientinnen und Patienten zu gewährleisten, die abseits von stelle der telemedizinischen Schlaganfallnetzwerke, „Stroke-
gut ausgebauter Infrastruktur leben“, sagt Prof. Uwe Platzbe- Link Sachsen“, hat ihren Sitz am Universitätsklinikum Dresden.
cker, Medizinischer Vorstand am Uniklinikum Dresden. Ein wichtiger Teil der Projektförderung durch den Kranken-
Die akute Versorgung von Schlaganfallpatientinnen und hauszukunftsfond war die Erneuerung der Telemedizin-Tech-
-patienten in Ostsachsen wird bereits seit 2007 durch die Eta- nik bei allen 32 telemedizinisch vernetzten Projektpartnern.
blierung des telemedizinischen Schlaganfallnetzwerkes opti- Damit wurde eine nachhaltige Infrastruktur geschaffen, die
miert und mithilfe von engen Kooperationen im zertifizierten zukünftig die Unterstützung der Expertinnen und Exper-
Neurovaskulären Netzwerk weiter spezialisiert. Das Zentrum ten auch bei weiteren Krankheitsbildern gewährleisten kann.
des SOS-TeleNET an der Klinik und Poliklinik für Neurolo- „Durch die gemeinsame Geschäftsstelle werden einheitliche
gie des Uniklinikums Dresden bietet zwölf Kliniken in Ost- Qualitätsstandards in der telemedizinischen Schlaganfallver-
sachsen telemedizinische Unterstützung für Patientinnen und sorgung sachsenweit etabliert. Die Geschäftsstelle übernimmt
Krankenhaus-KI Journal 1 /2025
85