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Der Bundesverband der Krankenhaus IT-Leiterinnen / Leiter e. V.
Digitale Patientenportale bündeln die Leistungsangebote Versorgung der Bevölkerung in einem sektorenübergreifenden
der Klinik und sorgen für die Einbindung von Patienten. Das Konzept. Dort, wo die ambulante Versorgung durch Haus- und
digitale Patientenportal kann den gesamten Prozess der Patien- Fachärzte (insbesondere auf dem Land) immer lückenhafter
tensteuerung durch den Klinikaufenthalt lenken. Zwar wurde wird, könnte sich das Krankenhaus so zu einem neuen Gesund-
mit dem KHZG eine theoretische Förderung des Ausbaus von heitsdienstleister entwickeln.
Patientenportalen ins Leben gerufen – gleichzeitig gibt es in der Doch der Gedanke, den ambulanten Sektor auszubauen, ist
IT bislang jedoch keine Standards, die solche Portale berück- an vielen Stellen noch nachzubessern. Mit ihm treten Fragen
sichtigen würden. Es gibt viele Teilnehmer am Markt, jedoch nach multiprofessionellen, sektorenübergreifenden Versor-
fehlen einheitliche Kommunikationsstandards. Offenbar ist gungseinrichtungen auf, welche gerade im ländlichen Raum
fehlt eine einheitliche Lösung, die allen Partnern gerecht wird. zukunftsweisend sein könnten. Spannend bleibt die Frage, wie
dies organisiert, gesteuert und finanziert werden soll.
Bausteine für den Ausbaus des ambulanten
Sektors
Medizinische Versorgungszentren (MVZ) sind eigenständige
Leistungserbringer, in denen mehrere ambulant tätige Ärztin-
nen beziehungsweise Ärzte kooperativ zusammenarbeiten. Ist
ein MVZ im Krankenhaus eingebunden, kann oftmals eine
Zwangsgemeinschaft entstehen. Geschäftsführung, Ärzte-
schaft, IT und Datenschutz ergeben eine „zusammengewürfelte“
schwierige Konstellation, wenn es um eine gemeinsame Linie
für die „Patienten-Journey“ geht. Eine Softwarelösung sollte
eine komplexe Ambulanz- und MVZ-Struktur eines Kranken-
hauses umfassend abbilden und optimal unterstützen können.
Datenschutz und Sicherheit sorgen für Herausforderungen.
Die üblichen Risiken und Nebenwirkungen der Digitalisierung,
insbesondere die Gefahr von Cyberangriffen, sind zu berück-
sichtigen. Einige Erfahrungen zeigen, dass die IT-Sicherheit
von ambulanten Entitäten oftmals weniger ausreicht als die
der stationären Einrichtungen. Bei der Kommunikation zwi-
schen einer Klinik und einem Medizinischen Versorgungs- Andreas Lockau, KH-IT-Schatzmeister, moderierte den virtuellen
zentrum handelt es sich um zwei zu unterscheidende Daten Austausch der Krankenhauskollegen von der Praxis für die Praxis.
verarbeitende Stellen. Die Übermittlung von personenbezo-
genen Patientendaten ist auf die jeweils erforderlichen Daten
zu beschränken, die Einwilligung der Patienten muss vorliegen. KH-IT
Stichprobenhafte Überprüfungen haben ergeben, dass diese Der KH-IT Bundesverband der Krankenhaus IT -
Vorgaben nicht immer eingehalten werden, so Datenschutzbe- Leiterinnen/Leiter e.V. vertritt die Interessen der
auftragte. Eine Datentrennung bleibt noch zu diskutieren. Die Krankenhaus-IT Leiterinnen und Leiter. Er macht
Zugriffsberechtigung auf Patientendaten für die Disziplinen es sich zur Aufgabe, die Stellung der IT in der Kli-
gerade bei „stationär – ambulant“ ist nicht immer einfach zu nik zu stärken im Sinne einer bestmöglichen und
klären. Datentechnisch herrscht durch getrennte Systeme man- wirtschaftlichen Unterstützung der Patientenversor-
cherorts Wirrwarr vor. gung. Auf verbandseigenen Veranstaltungen sorgt der
KH-IT regelmäßig für den Meinungsaustausch über
Krankenhäuser als neue die Zukunft der Krankenhaus-IT und für Diskussio-
Gesundheitsdienstleister nen über die aktuellen Entwicklungen und Trends im
Gesundheitswesen.
Für Krankenhäuser bleibt die wichtige Zukunftsfrage, die eigene
Existenz zu sichern. Antworten weisen auf einen Perspektiv-
wechsel hin: weg vom stationär geprägten Krankenhaus hin www.kh-it.de
zu einer neuen Positionierung im Sinne einer bestmöglichen
Krankenhaus-IT Journal 6 /2022
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