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Ansätze digitaler Versorgungslösungen Konkrete Projekte digitaler Gesundheitsregionen zeigen
Herausforderungen digitaler Versorgungslösungen liegen in vielversprechende Lösungsansätze. Beispielsweise hat eine
der Sicherstellung von Datenschutz und IT-Sicherheit, der Initiative in Bayern durch die Vernetzung von Akteuren die
Akzeptanz durch Patienten und medizinisches Personal sowie telemedizinische Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz
der Finanzierung. Gleichzeitig bieten diese Lösungen jedoch optimiert. In Niedersachsen vernetzen sich verschiedene
Chancen wie die Reduktion von Versorgungslücken, die Ver- Gesundheitsdienstleister, um eine interdisziplinäre Betreuung
besserung der Versorgungsqualität und die Entlastung von zu gewährleisten. Erfolgsfaktoren dieser Projekte sind eine enge
medizinischem Personal durch Automatisierung und Tele- Zusammenarbeit zwischen öffentlichen und privaten Partnern,
medizin. Besonders in ländlichen Versorgungsräumen haben die Einbindung moderner Technologien wie KI und Big Data
telemedizinische Modelle großes Potenzial, beispielsweise sowie die Fokussierung auf patientenzentrierte Lösungen.
durch Videosprechstunden, digitale Diagnostiktools und die Dadurch können sich Lösungsansätze und Erfahrungen für
Fernüberwachung chronischer Erkrankungen. Diese Ansätze künftige Versorgungsnetze ableiten lassen. (1)
ermöglichen eine wohnortnahe Versorgung und reduzieren die Die Kombination aus regionalen Netzwerken und digita-
Notwendigkeit physischer Arztbesuche. len Technologien eröffnet neue Möglichkeiten für die Gesund-
Es sollen Probleme wie den demografischen Wandel, den heitsversorgung, die nachhaltig und anpassungsfähig auf
Fachkräftemangel und die Ressourcenknappheit im Gesund- gesellschaftliche Herausforderungen reagieren können. Inno-
heitswesen lösen lassen. Ziel ist die Überbrückung einer räum- vative Ansätze, die die Bedürfnisse der Bevölkerung in den
lichen oder zeitlichen Distanz zwischen Gesundheitsdienstleis- Mittelpunkt stellen und gleichzeitig wirtschaftliche und orga-
tern und Patienten mittels telemedizinischer Verfahren, um die nisatorische Aspekte berücksichtigen, bilden die Grundlage für
Patientenversorgung zu optimieren, Diagnose-, Therapie- und zukunftsfähige Versorgungsmodelle. Durch gezielte Förderung
Nachsorgeangebote zu verbessern und Prävention attraktiver zu und politische Unterstützung können digitale Gesundheitsregi-
machen. onen einen wesentlichen Beitrag zur Verbesserung der medizi-
nischen Versorgung leisten.
Faktoren für die Qualität integrierter Gesundheitsnetzwerke
1. Klare Einigung über den Transfer von PatientInnen durch das Netzwerk
2. Klare Einigung zum Verfahren des Informationsaustauschs zwischen den Netzwerkpartner
3. Verwenden einer zentralen Patientenakte, zugänglich für alle am Versorgungsprozess beteiligten Netzwerkpartner
4. Bereitstellung von verständlichen, patientenzentrierten Informationen
5. Systematische Erfassung und Bewertung der Patientenbedürfnisse entlang der Versorgungskette
6. Klare Definition der Zielgruppe (Patienteneinschluss)
7. Verbindliche Festlegung gemeinsamer Verantwortlichkeit der Zielerreichung und Ergebnisse
8. Entwicklung eines multidisziplinären Versorgungspfades
9. Festlegung von Leistungsindikatoren (Performance Indikatoren) zur Ergebnisbewertung der integrierten Versorgungsleistung
10. Konsens zwischen den Netzwerkpartnern über Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Befugnisse
11. Abstimmung zwischen den Netzwerkpartnern durch direkten Kontakt
12. Feedback an Partner zum Patiententransfer
13. Definition der Ziele der Zusammenarbeit
14. Konsens zum Verfahren des Informationsaustauschs (Patientendaten)
15. Erfassen von patientenbezogenen Indikatoren (Gesundheitszustand, Lebensqualität)
Quelle: Peggy Richter, M.Sc . Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Systementwicklung, Steuerung und
Management von Gesundheitsnetzwerken
(1)
Liste anerkannter Praxisnetze nach Region, TU Dresden, www.kbv.de/html/437.php
Krankenhaus-IT Journal 1 /2025
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