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Der Bundesverband Gesundheits-IT begrüßt Sie zur
        Titelthema
























           ambulanter Versorgung, Rettungswesen und Krankenhaus als   Um die Kosten der Krankenhäuser zu senken, wird der-
           System deutlich sensibler. Natürlich gibt es unter dem Strich   zeit das Instrument der Ambulantisierung eingeführt. Unter   Meet
           zu viele Krankenhäuser in Deutschland. Allerdings kann ich   betriebswirtschaftlichen und anderen Aspekten ist das zwei-
           die Verdichtung nicht nach dem Zufallsprinzip steuern wollen   fellos nicht zu Ende gedacht. Wenn Krankenhäuser ambulante
           (z.B. Insolvenzen oder vermeintliche Qualitätsvorteile), wenn   OP-Strukturen einrichten, dann bleiben sie weiterhin auf
           ich in der Folge keine Lösung für die längeren Rettungswege   ihren hohen Fixkosten sitzen. Andererseits werden wohl kaum
           (Fahrzeugvolumen, Personalvolumen, Zeitvolumen Trans-  viele zusätzliche ambulante OP-Kapazitäten im niedergelas-
           porte etc.) und die ambulante Nachversorgung habe. Ebenso   senen Sektor aus dem Boden schießen. Was nach britischem
           wie ich den Rückgang der niedergelassenen Sitze nicht über   Vorbild zu längeren Wartezeiten führen wird. Es braucht
           die Notaufnahmen von Krankenhäusern kompensieren kann,   Räumlichkeiten (mit allerdings deutlich niedrigeren Fixkos-
           wenn diese gleichzeitig eine unstrukturierte Standortreduzie-  ten mangels diverser Auflagen, die nur Krankenhäuser treffen)
           rung erfahren und bestimmte Leistungen nicht oder als Aus-  und z.B. Anästhesisten – aber die werden ja im Krankenhaus
           nahmen erbringen dürfen. Überall steckt der Teufel im Detail   freigesetzt… Vor allem braucht es ein Mehr an Kommunika-
           und der erforderlichen Vernetzung. Merkwürdigerweise guckt   tion, digitaler Kommunikation. Dafür ist die einzig sinnvolle   GOLD Partner
           politisch niemand in Richtung der europäischen Länder, die   Plattform die TI. In erster Linie, weil bereits  viel Geld versenkt
           mit ihren Lösungsansätzen erfolgreicher sind. Häufig mit dem   wurde. Übrigens Kosten, welche nicht die Krankenhäuser oder
           Totschlagargument: Die sind aber „kleiner“. Was nicht stimmig   Niedergelassenen verursachen, aber weiterhin kaum sinnvoll
           ist, weil es lediglich ein Skalierungsthema ist.  nutzen können, um mit dem jeweils anderen Sektor zu kom-
                                                             munizieren.
           Digitalisierung                                     Tatsächlich liegt die (eventuell einzige) Lösung vermut-             SILBER Partner
           Damit landen wir bei der Wunderwaffe „Digitalisierung“ als   lich  in  der  Schaffung  regionaler  Gesundheitszentren  und
           Lösung. Dieses Thema beginnt bereits mit dem Defizit, dass   Netzwerke. Solche Gesundheitszentren wären ohne Sektoren-
           „Digitalisierung“ ebenfalls nicht ganzheitlich begriffen wird.   trennung aufzustellen (stationäre und ambulante Versorgung
           Digitalisierung funktioniert nicht ohne Re-Organisation. Es   sowie Rettungswesen arbeiten „Grenzüberschreitend“ zusam-
           handelt sich dabei nicht um (Telematikinfrastruktur, TI, regi-  men), was sinnvollerweise in die Abschaffung und Reduzie-
           onale föderale Projekte) IT-Projekte, sondern um Organisati-  rung verkarsteter Strukturen inklusive Vergütungsmodellen
           onsprojekte. Genau die Organisation wird aber nicht grund-  mündet. Beispielsweise die Reduzierung von Krankenkassen
           sätzlich neu geschaffen, sondern auf Basis 1883 von analog auf   (>100, eine Deutsche Rentenversicherung ist weitgehend aus-
           digital zu übertragen versucht. Das ist „natürlich“ (ein biss-  reichend), kassenärztlichen Vereinigungen (17 + 1), Instituten
           chen) übertrieben, führte aber zweifelsfrei zum Scheitern der   ohne  Relevanz für die Versorgungsleistungen,  Doppelstruk-
           frühen Ansätze der eGK oder des eRezepts. Die Diversifika-  turen (siehe bspw. Endoprothesenregister und Implantatere-
           tion von Softwarelösungen für alle Sektoren führt zu gänzlich   gister), Verbänden und Interessenvertretungen. Das ist sehr
           unterschiedlichen regionalen Lösungen auf kleinstem Raum   viel Potenzial, um Geld Richtung Patient umzuwidmen, statt
           (Landesebene und darunter). Der erforderliche Zwang zur   es  weiter  in  versorgungsferne  „Leistungen“  zu  stecken.  All                                                       Jetzt Ihr Ticket sichern!
           Schnittstellenstandardisierung ist ein wichtiger Schritt inner-  das würde – vermutlich -dazu führen, dass vor allem der Auf-
           halb der Gesamtmethodik, vernachlässigt aber bisher (außer   wand all diese Systemmängel per IT zu kompensieren deut-
           TI) weiterhin die Sektorengrenzen. Zudem sind Diskussionen   lich reduziert würde und damit die Kosten der Digitalisierung
           um die digitale ärztliche Videoberatung oder ähnliche Ansätze   insgesamt.
           weiterhin limitiert, wenn keine non-digitalen Versorgungsein-
           richtungen im Krisenfall zeitnah physisch erreichbar sind.
                                                                                                                                    In Kooperation mit                 Unter Mitwirkung von         Organisation durch  Veranstaltung von

                                                                                   Krankenhaus-IT Journal 1 /2025
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