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Mehr Effizienz,
weniger IT-Fachkräfte
Individualentwicklungen, Implementie-
rung und Deployment von Software sind
langsam und kostspielig. Zudem wächst
der Mangel an Fachkräften mit Program-
mierkenntnissen. Die Vorteile moder-
ner Low-Code-Plattformen liegen also
auf der Hand. Sie ermöglichen es, dass
Software schneller und ressourcenscho-
nender entstehen kann. Prozesskenner,
Fachleute und Versorgungsverantwortli-
che werden zu Co-Entwicklern – soge-
nannte Citizen Developer. Sie können
die meisten ihrer Anforderungen binnen
kürzester Zeit selbst umsetzen.
Mitunter machen vorgefertigte
Module oder Komponenten die Soft-
wareentstehung noch einfacher. Nicht
passende Programmierschritte sind bin-
nen kürzester Zeit zurücknehmbar. So Heiko Dorn, adesso SE, Leiter Competence Center Consulting Health Provider
entsteht Agilität in Reinform, da Anfor-
derer und Citizen Developer als eine Per-
son in Doppelrolle bereits am Tisch sitzt. Low-Code braucht Strategie hybrider Verfahren bei der Softwareent-
Ein weiterer Vorteil: Einzelne Prozess- Eingebettet in eine moderne IT-Strategie stehung. Darin können dann beispiels-
module sind zwischen Fachabteilungen kann also Low-Code für den adressier- weise nachbessernde manuelle Modifi-
oder Anwendern austauschbar, was die ten Anwendungsfall viele der genannten kationen des Ergebniscodes zum Tragen
Prozesssicherheit durch zentrale Ansätze (IT)-Probleme beheben oder zumindest kommen. Technische Dokumentationen
zur Qualitätssicherung zusätzlich erhöht. abschwächen. Doch die Einführung von und Logfiles werden direkt mitgeneriert,
Diese Wiederverwertbarkeit der Module Low-Code ist kein Selbstläufer – mit sodass Zulassungen schnell für die pas-
ist ein Vorteil, der vormals besten- Citizen Developer Frameworks lassen sende Zweckbestimmung abbildbar sein
falls allein Softwareprovidern Nutzen sich aber die notwendigen Leitplanken können: Hier greifen dann aber andere
brachte. Der ständig wachsenden Kom- zur Verfügung stellen. Dazu zählen etwa Herausforderungen, die beispielsweise
plexität von Versorgungs- und unterstüt- Betrachtungen zur digitalen Affinität der die Inverkehrbringung (syn. Legalher-
zenden Geschäftsprozessen sowie deren Fachbereiche, Change Management zu stellung nach MDR) von Medizinpro-
ständige Anpassung und Optimierung Self-Service-Angeboten, Umgang und dukten mit sich brächte.
kann so ein Stück weit mehr Rechnung Modularisierung der Kernsysteme und
getragen werden. Kernanwendungen den Wunsch nach eigenen Innovationen Fazit
bleiben unverändert und müssen nicht – auch mit Partnern und weiteren Leis- Low-Code-Plattformen haben enorm
mehr aufwendig individualisiert wer- tungserbringern – zu konsolidieren. an Reife gewonnen. Mit dem passenden
den. Kritische Produktivumgebungen Low-Code-Software passt selbstre- Einführungsframework und einer guten
können stattdessen schneller und schlan- dend nicht an jede Stelle der Primär- und Umsetzungsstrategie versetzt Low-Code
ker mit Neuerungen oder Anpassungen Sekundärprozesse eines Krankenhauses. insbesondere Kliniken mit eingeschränk-
beschickt werden. Dies bedingt, dass die Insbesondere in den regulierten Sektio- ten IT-Ressourcen in die Lage, kosten-
Kernanwendungen semantisch und syn- nen, in denen etwa die MDR (Medical günstiger und schneller wettbewerbs-
taktisch standardisierte Schnittstellen Device Regulation) oder die KRITIS- relevante Digitalisierungsaufgaben zu
bereitstellen. Verordnung greift, bedarf es mitunter stemmen.
Krankenhaus-IT Journal 6 /2022
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